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Vorbereitung: Estebogen

Estebogen mit Schlepper
Estebogen mit Schlepper Garant

Vorausschicken möchte ich hier an dieser Stelle, das ich bei Baubeginn meines ersten Schiffsmodells noch keinen Internetauftritt hatte. Im Laufe der Jahre ist das hinzugekommen. Daher schreibe ich bei diesem Modell aus der Erinnerung heraus, so daß nicht alles mehr so bis ins Detail verfügbar ist. Aller Anfang war/ist schwer. Das weiss jeder, der etwas völlig Neues beginnt. So auch ich. Fest im Einsatzdienst eingebunden, sollte sich der Schiffsmodellbau rasch in den Alltag integrieren.

Frisch ans Werk. 

Ich besorgte mir den so genannten Schnellbaukasten des Modells: „Scol Progress“, dessen Schwesterschiff ich daraus fertigen wollte. Ein paar ganz wenige Fotos bekam ich und an Hand derer setzte ich meine Vorstellungen um. Schon nach den ersten Teilen erkannte ich, das das allein nicht meinen Vorstellungen von Schiffsmodellbau entsprach. Teile aus dem Baukasten verwarf ich und fertigte sie neu an. Zum Teil aus anderen Materialien, zum Teil mit Teilen aus der Packung. So kam ich recht bald zu dem Entschluß: Da geht noch mehr!

Um nicht gänzlich von vorne zu beginnen, wagte ich mich bei den beiden Deckskränen an den kompletten Neubau. Hierbei kam mir ein ganz wunderbarer Kontakt zu Hilfe, über den ich detaillierte Kranpläne als Komplettkopie erhielt. So konnte ich sämtliche Teile aus Bronceblech schneiden, bohren und löten. Doch auch damit nicht genug. Die Seilrollen gaben den Entschluß zum Kauf einer Drehmaschine. Also kaufte ich mir eine Emco Unimat 3 (die es so leider nicht mehr gibt – daher suche ich noch das eine oder andere Zubehörteil). Das war rasch getan und schon die ersten Versuche konnten sich sehen lassen. So ausgestaltet, nahmen die beiden Kräne Form an.

Doch wie farblich gestalten? Nein ein Pinsel kam von Anbeginn nicht in Frage. Da ergab sich nur das Spritzen mit Pistole. Also auch mit diesem Thema beschäftigen. Heute habe ich mich auf das Airbrushen versteift, was mit einer guten Airbrushpistole Freude macht. So werden winzige Strukturen, Handgriffe, Fensterrahmen u.s.w. nicht mit Farbe zugekleistert.

Baukastenrumpf
Rumpf vor dem ersten Lackierversuch

Der Rumpf meiner „Estebogen“ – das war mir damals leider nicht bekannt und auch unfairerweise von Anderen, die es wußten, nicht rechtzeitig gesagt worden, enthielt einen entscheidenen Fabrikationsfehler des Herstellers: Ein bei der Herstellung aufgetragenes Trennwachs verblieb auf der Oberfläche. Wie sich nach meinem ersten Spritzen des Rumpfes (mit Originalfarbe) herausstellte, haftete die Farbe nicht auf dem Rumpf. Es entstand keine Verbindung. So blätterte die Farbe an etlichen Stellen bei leichtester Berührung ab. Alles umsonst und wieder von vorne beginnen. Nur jetzt kam das nächste Problem: An den Stellen, wo die Farbe hielt, war sie kaum mehr abzuschleifen. So mußte ich mich darauf beschränken, das Schleifen so gut es ging vorzunehmen. Aber der dann auch 2. Versuch, vorgenommen von einem „König im Modellbau“ (seine eigene Betitelung), war nicht viel besser. Aber so mußte ich mich damit zufrieden geben und konnte es auch. Nur Eingeweihte und diejenigen, die ja schon alles im Vornherein wußten, konnten die Fehler in der Lackoberfläche beim genauen Hinsehen erkennen. Aber was soll´s. Das passiert nur einmal!

Hier geht es weiter: Arbeitsschritte

Tochterboot

3) Michel reparieren

Totalschaden Steven
Überall Brüche im Rumpf, die bearbeitet werden mußten.

Das Tochterboot „Michel“ wies die größten Schäden auf. Zuerst mußten der Steven entfernt und die Schraubenwelle ausgebaut werden. Nach dem Ausbessern der Risse und ausgebrochenen Stellen, wurde der Steven angepaßt und eingeleimt. Nach der Durchtrocknung ging es ans Spachteln und Schleifen, bis die Bruchstellen nicht mehr erkennbar waren. Der innere Einsatz hatte sich bereits an einigen Stellen aus der Bootsschale gelöst. Unter Zuhilfenahme von kleinen Schraubendrehern, wurde der Zwischenraum etwas geweitet und mit Kleber gefüllt. Kurzes Anpressen und das Tochterboot war wieder ein ganzes Boot geworden. Die Reste der alten Persenning am Fahrstand und an der Plicht (hintere Arbeitsfläche), mußten mit dem Scalpell vorsichtig entfernt werden. Alle Scheiben herausbrechen war leicht, da der alte Kleber keine Haftung mehr aufwies. Um eine neue Persenning aufzuziehen, lackierte ich den Fahrstand weis.

Es erfolgte das Übliche: Schleifen, Spachtel und erneutes Schleifen. Mit feinem Abklebeband (dafür gibt es Klebeband, das recht dünn ist, aber gut haftet und dennoch nicht zu stark am Lack reißt), wurde bis zur Wallschiene komplett abgeklebt und der Rumpf mit der Airbrushpistole gespritzt. Noch im etwas angetrockneten aber noch feuchtem Lackzustand, kam vorsichtig die Abklebung herunter. Mit etwas Gefühl und unter gleichmäßigem Zug, läßt sich das Band gut abziehen und der saubere klar abgegrenzte Teil des Rumpfes erscheint. Gut durchtrocknen lassen und mit einem sehr feinen Pinsel die kleinen Abplatzungen in der Wallschiene nachziehen. Da die beiden achteren Klüsen gebrochen waren, entschied ich mich für das Herausbrechen und Ersetzen, in dem ich aus Bauähnlichem die passende Größe feilte. Einkleben und Übermalen mit dem Pinsel folgten. Mittschiffs war der Handlauf auf einer Seite gebrochen und wurde gelötet, geschliffen und farblich angepaßt.

Persenningherstellung
Persenning aus Schulterpolster

Nun mußte eine Persenning her, die ich nicht hatte. Nach geeignetem Material gesucht und in der Handarbeitskiste meiner Frau nachgesehen, entschied ich mich für einen feinen Stoff, der in sogenannten Schulterpolstern für Kleidungsstücke eingenäht ist. Der wurde sauber herausgetrennt, aufgespannt und per Airbrushen in einen passenden Farbton gebracht. Da er nach dem Trocknen leicht durchsichtig war und der Rumpf innen unschön durchschimmerte, überzog ich die Flächen am Tochterboot mit einer weißen Papierschicht und klebte darauf die Tuchstücke. Sauberes Ausschneiden und vorsichtiges Anbringen, erforderten etwas Fingerfertigkeit. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Zu guter Letzt wurde der Mast nach der Versiegelung mit Klarlack liegend eingebaut und das Boot probehalber in die Heckwanne gesetzt.

Zusammenbau

Bootskörper

Wenden wir uns nun den Bautätigkeiten zu.

1 a) Rumpf außen und innen

Anfertigung einiger Detailfotos vom Ist-Zustand des Modells (Baujahr und Erbauer sind nicht bekannt!)

Schäden an der Heckklappe
Fest verklebte Heckklappe.

Wegen der offensichtlich starken Rumpfbeschädigungen, mußte ein Zugang zum Ruderblatt geschaffen werden. Dazu war es notwendig, das fest eingeklebte Tochterboot „Michel“ aus dem Rumpf zu lösen, was auch ohne zusätzliche Beschädigung gelang. In der Heckwanne befand sich eine Revisionsöffnung, die entfernt werden konnte. Da aber noch die gesamte Ruder-Anlenkung eingebaut war, mußte diese erst einmal komplett ausgebaut werden.

Über den Zugang mittschiffs wurden alle Elektrikteile oder besser gesagt alles was davon noch übrig war herausgeschnitten. Jetzt erst kamen die völlig korrodierten (verrosteten) Metallteile von Rudermaschine, Anlenkungsgestänge, Motor, Speisepumpe und Servos zum Vorschein. Also nichts wie raus damit. So gut es ging, Rost entfernen bzw. minimieren, den kompletten Rumpf aussaugen und kleine Schäden ausbessern. Der Zugang zum Ruderblatt war frei. Nicht ganz unproblematisch war das Herausdrehen des sehr stark beschädigten Ruderblattes. Es folgten die Demontage der 3 Schraubenwellen siehe Bild.

Der Ausbau der Heckklappe konnte nur durch Aufsägen mit Hilfe einer Trennscheibe gelingen. Wie bei allen folgenden Arbeitsschritten, behelfe ich mich dabei mit einer 4-fach verstärkenden Kopflupe. So ist es möglich, kleinste Unebenheiten und Schäden auszumerzen. Das Säubern der Heckklappe von Kleberesten folgte. Wie zu Beginn vermutet, wurde die Heckklappe wegen Bruchs des Scharniers kurzerhand angeklebt. Die folgenden Arbeitsschritte wie Klebereste entfernen, Abschleifen, Spachteln und erneutes Schleifen sowie Abkleben und mit der Airbrushpistole die Rumpffarbe erneuern, wiederholen sich im weiteren Verlauf an anderen Bauteilen. Klebereste von den Ablaufrollen in der Heckwanne entfernen und lackieren, Maße abnehmen und eine neue Rolle für den oberen Heckklappenrand herstellen und anbauen, sind weitere Schritte (siehe obiges Bild).

1 b) Deck

Alle Blechplatten auf dem Deck wurden auf festen Sitz überprüft und an schadhaften Stellen geklebt – Korrosionen an Metallteilen wie Reling, Lüftern, Stützen, Pollern etc. mit einer Minibohrmaschine und Schleifkörpern mechanisch beseitigt.

Rettungsleiter demontiert, geschliffen und mit Klarlack aufgefrischt.

Farbabplatzungen sowohl an der Wallschiene als auch an diversen Stellen der Bootsschale erfolgten mit einem Minipinsel.

Nach guter Durchtrocknung wurden der gesamte Rumpf und das Deck mit Lackreinigungsmittel (bekannt für verwitterte Autolacke), abschnittsweise gesäubert und mit Polierwatte auspoliert. Reste der Auskleidung am Schiffsständer, hatten sich bereits in den Lack am Rumpf eingefressen. Dazu war es erforderlich unter der Lupenbrille mit Pinzette alte Bestandteile zu entfernen und auch mit kleinen Holzstäbchen die kleinsten Winkel und Ecken auf dem Deck zu behandeln. Der anschließende Glanz der vorher verstaubten und verwitterten Lackschichten belohnte den recht mühsamen Aufwand.

Nun noch erfolgte die Lackierung der oben erwähnten Metallteile.

Vor Abschluß der Arbeiten am Rumpf bekam der Schiffsständer auf der Trägerplatte des Glashafens eine Polsterung aus weichem Flies, um erneute Abdrücke am Rumpf zu unterbinden.

Aufbauten

Vorbereitung: Hermann Marwede 1

Baukasten
Sichtung der Bauelemente

Bevor mit den ersten Baumaßnahmen begonnen wurde, habe ich mir den Bauplan Seite für Seite angesehen. Dabei fielen mir einige Ungenauigkeiten, und Fehler gegenüber dem Original auf. An Hand meiner gemachten Originalbilder und der Zeichnungen (zu erwerben bei der DGzRS!), fehlten u.a. die Leinen am Mast, die Kästen für die Positionslaternen, die Kühlkästen (bb anders als stb) in Höhe der Wasserlinie und der Flaggenstock am Bug, um nur ein paar Fehler hier zu erwähnen. Bei der Betrachtung der sehr klobig ausgefallenen Relingsteile, kam so gleich der Gedanke, das die eigentlich nicht zu verwenden sind. Dazu aber beim Bau der 2. Hermann Marwede auf meiner Seite.

Damit später beim Bau nichts schief geht, etwas Wichtiges vergessen wird oder Teile fehlen, habe ich mir sehr viel Zeit genommen, diese Vorarbeit zu leisten. Ein weiterer wichtiger Punkt ist, wie bringe ich Farbe auf das Modell? Diesem so entscheidenden Punkt, schenkte ich große Aufmerksamkeit. Die Überlegung, ob ich das Modell anmale, stellte sich für mich nicht. So ergab es sich, das ich für mein Modell die Airbrushtechnik wählte. Das bedeutet aber auch, das der Zusammenbau vor dem Spritzen gut überlegt sein will. Es ist nicht damit getan, alle Teile per Spritzpistole zu gestalten. Anschließend muß das fertige Teil an ein anderes fertige Teil angebracht werden. Da nun setzt das Problem ein: Lackierte Teile lassen sich miteinander nur äußerst schwer verbinden. Viele Klebetechniken habe ich probiert, auch hier im Internet Andere nach ihren Erfahrungen befragt und Fachleute konsultiert. Sogar den Hersteller des Modells habe ich um Mithilfe gebeten. Heute weis ich, das nicht alles gut gelöst werden kann. Dazu im Verlauf noch mehr Wissen.

Als weiterer Vorbereitungspunkt ist danach, welche Qualität und Verwendung soll mein Modell am Ende haben, welche Teile fehlen und will ich die auch noch anbringen. Sind die Farben wie im Original RAL-Farben oder muß ich mir separat Originalfarben besorgen? Beispiel: Oberer Fahrstand. Diese Farbe ist eine RAL-Farbe, die es in Modellfarben so nicht gibt. Um es gleich vorweg zu nehmen, ich habe sie mir herstellen lassen.

Es ist nicht unerheblich, ob ich das Modell nur so baue, wie es der Baukasten vorgibt, oder ob es dem Original sehr sehr nahe kommen soll. Beispiel dafür sind die fehlenden Positionslichter in der Nische bb und stb! Ohne sie sieht das Modell nicht nach einem Schiff aus. Das gleiche gilt auch für Hecklaternen, Kühlkästen am Rumpf und Leinen am Mast. Darüber hinaus sollte man sich Gedanken machen, ob auch der Bordkran nicht erheblich umgestaltet werden sollte, da weder der Motor noch der Arbeitsplatz des Kranführers, noch die Flaschen mit Kranhaken richtig angeordnet sind.

Zunächst einmal notiere ich mir in Stichworten den planerischen Ablauf, den ich mir überlegt habe. Klar ist, das jeder selbst entscheiden muß, wie er vorgehen möchte. Hier möchte ich nur meine gemachten Erfahrungen mit später gemachten Erfahrungen bei folgenden Projekten verbinden.

  • 1.) Pläne genau ansehen – Entscheidung: Schnell fertig werden und nur nach Baukasten fertigen, oder so Originalgetreu wie möglich bauen!!!
  • 2.) Die eigenen Möglichkeiten, wie z.B. Lackieren per Spritzpistole machbar, oder nur mit Pinsel?
  • 3.) Baureihenfolge logisch oder vielleicht gar nur mit größerem Vorbereitungs-aufwand durchführbar. (siehe oben: Airbrushtechnik)
  • 4.) Klebetechnik nach oder vor dem Lackieren einsetzbar? Halten die geklebten Teile? Vorversuch dringend erforderlich.
  • 5.) Welche Teile müssen noch verändert werden? Woher erhalte ich dazu die erforderlichen Maße?
  • 6.) Habe ich außer den Plänen des Baukastens noch Photos vom Original oder Originalzeichnungen zur Verfügung?

Diese ersten Fragen sollten vor Baubeginn beantwortet werden. Nur zuschnell muß man sonst erkennen: Hätte ich das doch eher gemacht!!!

Beschäftigen wir uns nun mit den Arbeitsschritten.